100 Jahre Pfarrei Mallersdorf

Mallersdorf. (ak) Ganz im Zeichen des 100-jährigen Jubiläums stand am Wochenende die Pfarrei Mallersdorf. Arbeitsintensive Wochen der Vorbereitung und Aufregung haben sich gelohnt, denn das Fest war hervorragend gelungen und für die ganze Pfarrgemeinde ein unvergessliches Erlebnis.

Sehr eindrucksvoll war am Freitag schon der Auftakt mit einer Lichterprozession, in der das Allerheiligste vom Klosterberg herunter zum Marienbrunnen begleitet wurde. Hier war der Altar ein Blickfang, die Teilenehmer bewunderten die farbenfrohe Gestaltung mit bunten Tüchern und kunstvollen Blumengestecken. Die Indischen Schwestern hatten dieses kleine Kunstwerk geschaffen, an dem die Eucharistische Andacht mit Pater Michael Raj gebetet wurde. Die musikalische Gestaltung übernahm das Team der Kolpingbläser, deren Instrumente in der beginnenden  Abenddämmerung stimmungsvoll ertönten. Pater Michael eröffnete die Festtage mit dem Hinweis, dieses Jubiläum sei eine große Freude und ein gebührender Anlaß, dankbar in die Vergangenheit zu blicken aber auch im Vertrauen auf die Vorsehung Gottes zuversichtlich nach vorne zu schauen. Ein Blick in die Chronik der Pfarrei erzähle die spannende Geschichte von Menschen, die eine eigene Kirche geschaffen und die Erhebung zur eigenständigen Pfarrei erreicht hatten. Stolz und Ergriffenheit sei angebracht für den Gemeinschaftssinn der Vorfahren und gebe Anlaß, für die heutige kirchliche Situation daraus zu lernen. Der Geistliche verband mit der Gratulation zum 100. Geburtstag der Pfarrei den Wunsch für noch viele Jahre im gemeinsamen Glauben.

Am Festsonntag hatten sich am Morgen viele Pfarrangehörige und Ehrengäste in der Hofmark eingefunden in Erwartung eines hohen Gastes. Weihbischof  Dr. Josef Graf wurde ein würdiger Empfang zuteil, bei dem die Kleinen des Kindergartens Zum Schutzengel mit einem fröhlichen Willkommenslied den Ankommenden erfreuten. Pfarrgemeinderatssprecherin Barbara Rohrmaier entbot im Namen der ganzen Pfarrgemeinde ein herzliches Grüß Gott. Sie stellte dem Bischof die zur Zeit in der Marktgemeinde weilenden Gäste aus der Partnerstadt Paderno vor, die mit einer stattlichen Abordnung mit Fahne am Fest teilnahmen und die der Bischof gleich in fließendem italienisch begrüßte. Die Musikanten des Labertaler Blasorchesters gingen dann voran und spielten schneidig auf beim Kirchenzug den Berg hinauf zur Pfarrkirche mit den Abordnungen der Vereine, darunter auch den Gäste aus der italienischen Partnerstadt mit ihrer Standarte, den Ehrengästen und vielen Gläubigen.  Den Gottesdienst feierte der Weihbischof mit seinen Mitbrüdern Pater Michael und Pater Sagaj, Dekan Josef Ofenbeck, dem ehemaligen Mallersdorfer Pfarrer Alfred Huber, Superior Gottfried Dachauer und dessen Vorgänger Dr. Wilhelm Gegenfurtner. Eindrucksvolle gesangliche Umrahmung  wurde geboten vom Mallerdorfer Kirchenchor unter Leitung von Schwester Ehrentraud, mit Dirigent Gerhard Justwan und Organist Hans Kammermeier. In seiner Predigt widmete sich der Weihbischof dem Thema zur Lage der Kirche in der heutigen Zeit. Sie müsse sich vielen kritischen Fragen stellen wie etwa: wozu ist die Kirche da? Die Kirche sei nicht nur da für Soziales, Brauchtum oder Freizeit, das müsse schon tiefer gehen, sagte dazu Weihbischof Dr. Graf. Es gehe darum, vom Geheimnis Jesu zu künden und zu bezeugen, dafür stehe die Gemeinschaft in einer Pfarrei. Hier werde das kirchliche Leben erfahrbar, mit dieser Erklärung verband der Weihbischof auch die Bitte, der Kirche die Treue zu halten.

Zum Festakt in der großen Nardinihalle begrüßte der Mallersdorfer Pfarrherr Pater Michael Raj die Ehrengäste, voran Weihbischof Dr.Josef Graf, die Geistlichen Mitbrüder, die Ordensleitung des Klosters Mallersdorf und die indischen Schwestern. Aus der Politik hatten sich Landrat Josef Laumer, Landtagsabgeordneter Josef Zellmeier und Bürgermeister Christian Dobmeier eingefunden. Die Menschen in Mallersdorf zeigten vor hundert Jahren die tiefe Sehnsucht nach Glauben und Gemeinschaft und die Errichtung dieser Pfarrei habe sie auf ihrem Glaubensweg gestärkt, ermutigt aber auch herausgefordert, sagt Pater Michael. Er sprach damit an, eine neue Struktur ins Leben zu rufen heiße auch, Verantwortung zu übernehmen und das sei in diesen hundert Jahren in hervorragender Weise gemeistert worden. Den Reigen der Grußworte eröffnete Weihbischof Dr.Josef Graf mit Gratulation und guten Wünschen, gefolgt von Dekan Josef Ofenbeck. Dieser sah hier eine junge Pfarrei, in der sich viele junge Menschen einbringen und wünschte: möge die Pfarrei weiterhin so jung bleiben. Superior Gottfried Dachauer  hob die Verbindung von Kloster und Pfarrei besonders hervor, bestätigt durch viele gemeinsame Aktivitäten. Landtagsabgeordneter Josef Zellmeier bezeichnete Mallersdorf als sehr bedeutend in der Umgebung. Den Auftrag, die abendländische Kultur zu leben, erfülle ganz einfach das Bekenntnis zum Glauben und keine Angst vor Andersdenkenden zu haben.  Landrat Josef Laumer sah in der Jubiläumspfarrei  großen Zusammenhalt bestätigt, wie das gut organisierte schöne Fest beweise. Als Bürgermeister seiner Heimatpfarrei gratulierte Christian Dobmeier zum Jubiläum. Er bezeichnete eine Pfarrei als Halt und Möglichkeit auch für Laien, sich zu engagieren und den Glauben in der Gemeinschaft aktiv mit zu gestalten. Anerkennung zeigte er für alle Ehrenamtlichen wie in Kirchenverwaltung und Pfarrgemeinderat, beim Dienst am Altar, bei Festen und Veranstaltungen, die sich in ihrer Freizeit für die Pfarrei einbringen.

Die Festansprache schließlich hielt Josef Neumaier, der auch die schöne Festschrift gestaltet hatte, die allseits Lob und Anerkennung hervorrief. In launigen Worten hielt er Rückschau und ging gut verständlich auf die geschichtlichen Hintergründe ein.  Obwohl Mallersdorf eine tausendjährige Geschichte vorzuweisen habe, sei doch erst vor hundert Jahren die Pfarrei gegründet worden und somit eigentlich noch recht jung. Als Grund wurde das 1109 gegründete Benediktinerkloster angeführt, deren Mönche von Anfang an die Seelsorge des Dorfes übernommen hatten. Wie segensreich die Schwestern dann nach den Benediktinern hier gewirkt hatten, darüber erfuhren die Zuhörer genaueres. Die Seelsorger der Pfarrei wurden von Neumaier recht aufschlussreich vorgestellt, beginnend mit Alois Groll. Über diesen hatte Neumaier viele Aufzeichnungen und gefunden und aus Erzählungen manches festgehalten, aus denen er einiges hier verlauten ließ und worüber auch des öfteren geschmunzelt wurde.  Weiter ging es mit dem Lebenslauf von Pfarrer Brombierstäudl, der in den Nachkriegsjahren offensichtlich der richtige Mann in dieser schwierigen Zeit gewesen sein soll und sehr beliebt dazu. Den nächsten Geistlichen Dekan Michael Erhardsberger hat der Erzähler in seiner Jugend noch selber erlebt. Er berichtete von einem recht anstrengenden Ministrantendasein, da der Geistliche stets auf äußerste Korrektheit bedacht gewesen sei. Von Pfarrer Isidor Gschlößl wusste der Redner, ihm sei nachgesagt worden, er habe das Kartln vor dem Beten gelernt als Wirtsbua aus der Hallertau. Trotzdem wurde er als guter Seelsorger beschrieben, immer leutselig und gut drauf, wie man zu sagen pflege. Mit Pfarrer Alfred Huber hatte die Pfarrei einen umsichtigen Seelsorger, Er ging nach 26 Jahren in den Ruhestand und ist noch sehr rüstig, wie sich durch seine Anwesenheit bei der Feier bestätigte.  Mit Pater Michael Raj hat die Pfarrei einen wahren Kinderfreund als Seelsorger bekommen. Er feiert schöne Kindergottesdienste und  spielt zwischendurch schon mal mit den Kindern am Eisweiher Fußball. Erwähnt wurden auch seine Predigten, die durchaus schon mal einen Applaus wert seien.

Text und Fotos: Annemarie Kammermaier