Filialkirche Oberlindhart: St. Johannes (Bapt.)

Die Kirche in Oberlindhart zählt zu einem der ältesten ländlichen Sakralbauten  in Ostbayern. Teile des Mauerwerks aus dem 10. Jahrhundert wurden in den heute bestehenden spätgotischen Kirchenbau übernommen. Von einer vermuteten, aus der Zeit des hl. Bonifatius stammenden hölzeren Vorgängerkirche, ist leider nichts erhalten. 

"Mit der spät- bzw. neugotischen Architektur des Inneren kommuniziert eine neugotische Ausstattung. Die Seitenaltäre zeigen (links) die hl. Maria, flankiert zum hl. Josef von Toulouse und der hl. Katharina von Alexandrien. Im Antipendium des Hochaltares, [...] ist als Relikt der spätgotischen Ausstattung, eine sog. Johannesschüssel (um 1490) eingelassen. Bei dieser ursprünglich auf dem Altar aufgestellten Plastik handelt es sich um eine Darstellung des Hauptes Johannes d. T., wie es nach dessen Enthauptnung der herodianischen Königstochter Salome auf einem Silbertablett gereicht wurde. Solche Johannesschüsseln dienten ursprünglich liturgischen Handlungen, fanden aber auch im Brauchtum Verwendung, indem man sich davon etwa eine Linderung von Kopfschmerzen versprach.

Ein bedeutendes Ausstattungsstück sind die Stuhlwangen, die zu den interessantesten aus der Zeit in ganz Bayern gehören. Die von der Mallersdorfer Klosterschreinerei gefertigten Wangen zeigen reich florierendes Akasthuswerk mit eingewobenen Maskenreliefs [...]. Sie sind in unmittelbarer Nachfolge der Wangen der Mallersdorfer Klosterkirche gegen 1680 entstanden, mit denen sie stilistisch übereinstimmen."

aus: Schmidt, Michael: Kirchen Pfarrei Westen, Regensburg 1999, 12-16.


Filialkirche Oberellenbach: Hl. Kreuzerhöhung


Oberellenbach gehörte seit alters her zur Pfarrei Westen (vgl. dort einige Grabsteine von Oberellenbacher Schlossherren), doch übte zunächst auch die Abtei Seligenthal in Landshut, die in Oberellenbach begütert war, eine gewisse Bedeutung aus: So geht etwa das Patrozinium Hl. Kreuzerhöhung auf das Seligenthaler Kirchenpatrozinium zurück.

Der heutige Kirchenbau weist zwei Bauphasen auf: So datieren weite Teile des aufgehenden Mauerwerks in die Spätgotik (Bau vermutlich 1492 vollendet). Dies dokumentieren die beiden spitzdachigen Altarnischen und die bei der Außenrenovierung 1978 festgestellten und nun wieder unter Putz befindlichen Spitzbogenfriese. Unter dem Schlossherrn Christoph Stöckl von Herttenberg (+1698) kam es zu einer architektonischen Umgestaltung der Kirche. Damals wurde nicht nur der Turm errichtet, der 1707 vollendet wurde, und die Kirche neu gewölbt, sondern auch das Seelenhaus und die Friedhofsmauer errichtet. Auf mittelalterlicher Grundlage erhebt sich der schmucke Kirchenbau, der architektonisch mit Münchner Bauten der zweiten Hälfte des 17. Jh. vergleichbar ist. Der Zwiebelturm betont zusätzlich die malerische Gesamterscheinung des Ensembles. Südlich der der Kirche befindet sich eine eindringliche Kreuzigungsgruppe mit Maria und Johannes, ein moderner Abguss einer schwäbischen Skulpturgruppe der Zeit um 1500.

Das Kircheninnere wird durch den Chorbogen in den eingezogenen Chorbereich und das Schiff zu je zwei Achsen unterteilt.[...] Vom spätgotischen Kirchenbau hat sich ein Weihwasserbecken an der nördlichen Chorwand mit reichem Astwerk (um 1500) erhalten. Der Zeit des barocken Kirchenumbaus entstammen die beiden lebensgroßen Barockfiguren (um 1680) an gleicher Stelle, nämlich der hl. Benno (mit seinem Attribut, dem Fisch) und der Kirchenlehrer Papst Gregor d. Gr. (mit Tiara). Von der Neuausstattung der Kirche um 1712 stammt die Kanzel mit Rocaillewerk. [...] Die übrige Ausstattung (im Chor und am Chorbogen) datiert in das späte 19. und frühe 20. Jh.

Text: Dr. Michael  Schmid

 

Apostelkirche Niederlindhart

Die Apostelkirche in ihrem jetzigen äußeren Erscheinungsbild wurde 1588 auf mittelalterlichen Fundamenten errichtet, der Turm stammt aus dem Jahr 1713. Eine überregionale Besonderheit stellt jedoch dass Innere des kleinen Kirchenraumes dar. Mit der innere Raumschale hat sich aus dem Jahr 1882 bis heute eine künstlerische Besonderheit des 19. Jahrhunderts erhalten, die bei der Restaurierung 2002 gesichert werden konnte. Es handelt sich dabei um eine mittlerweile sehr selten gewordene Form der Dekorationsmalerei, die mit Schablonen angefertigt wurde. Im unteren Mauerbereich ist eine Plattenimitation aufgemalt, die weite oben in brokatartige Verzierung übergeht. Das Gewölbe im Presbyterium ist als Sternenhimmel ausgestaltet. 

Aus der Erbauungszeit der Kirche stammt noch die Figur der Patrona Bavariæ (links, ca.1640). Die Figur des Hl. Josef (rechts) stammt aus dem 19. Jh.

Der Hochaltar hat sich erstaunlicherweise aus barocker Zeit erhalten, im Vergleich musste der barocke Altar der Oberlindharter Kirche 1874/74 einer neugotischen Ausstattung weichen. 

Im Chor der Apostelkirche befindet sich ein  Bildzyklus aus dem 18. Jh. der die 12 Apostel (Patrozinium) zeigt und somit von besonderer Ikonographischer Bedeutung ist.

vgl. Schmidt, Michael, Apostelkirche in Niederlindhart, in: Labertaler Lesebuch V, Mallersdorf-Pfaffenberg 2003, 190-192.